#Frauenquote, die CDU und die unbeantwortete Frage: Was wird mit mehr Frauen eigentlich besser?

Was braucht man als Frau, um in den Genuss eines Quotenjobs zu kommen? Richtig: Eine Vagina. 100 Jahre Feminismus und Kampf darum, dass das Geschlecht keine Rolle mehr spielen sollte, und dass wir endlich nicht mehr männlich „schwanzgesteuerte“ Politik bekommen, hat uns also wieder dorthin geführt, wo wir schon mal waren: Geschlechtsorgane statt Leistung sollen wieder als Kriterium herhalten, um sich für bestimmte Posten zu qualifzieren.

Jetzt also auch bei der CDU, zumindest, bei dem Teil der Partei, der die Anträge für den nächsten Parteitag zusammengestellt hat, sollte dieser nicht wieder wegen Corona verschoben werden müssen. Vielleicht bleibt ja Annegret Kramp-Karrenbauer noch ein wenig länger im Amt als Parteivorsitzende der CDU, wenn wir einfach keine Parteitage mehr abhalten und stattdessen einfach weitermachen wie bisher. Ich bin sicher, den Gedanken finden manche in der Partei durchaus charmant. Noch muß die Frauenquote die Hürde der Debatte beim Parteitag nehmen. Man kann nur hoffen, dass sich Vernunft durchsetzen wird, als auch die Pragmatik.

Ansonsten kann man sich jetzt schon ausrechnen, dass bei einem Frauenanteil von nur rund 25 Prozent bei der CDU, die Besetzung aller Posten und Listen mit 50 Prozent Frauen einer emanzipatorischen Glanzleistung für jeden Ortsverband gleich kommt. Gleichzeitig würde alles, was einen Rock anhat, demnächst einen Listenplatz haben, egal für was.
Frauenquote für die CDU bedeutet auch einmal wieder: zuverlässig springt man auch in meiner Partei auf jedes linke Wägelchen, das man zeitgeistig verschlafen hat und nach dem schreckhaften Aufwachen plötzlich für modern hält. Fehlt gesellschaftlich eigentlich nur noch eine Frauenquote bei der Deutschen Bischofskonferenz, dann haben wir bald überall schon einmal diese Diskussion durch. Die Argumente für eine Geschlechterquote werden freilich nicht besser, je häufiger man sie wiederholt, es tritt nur eine gewisse Gewöhnung und Ermüdung ein. Ich zum Beispiel bin keine Quotenfrau – ich habe alles meiner eigenen Anstrengung zu verdanken.
Wann wurde eigentlich das „Bekenntnis“ zur „Quotenfrau“ zur modernen Religionszugehörigkeit? Und wer erklärt den Damen, dass es keine Auszeichnung, sondern ein Offenbarungseid ist?

Beim CICERO fand ich nun heute morgen den Artikel einer Kollegin, die offenbar ganz anderer Meinung zur #Frauenquote ist, als ich, und der dieser Tweet von mir gestern offenbar übel aufgestoßen ist:

Und so schreibt die Kollegin Antje Hildebrandt dazu: „Im Internet musste AKK dafür Spott und Häme einstecken. „Sexismus“ sei das, „wenn du eine Vagina vorweisen sollst als entscheidendes Qualifikationsmerkmal“, echauffierte sich die konservative Publizistin Birgit Kelle. Es war eine schallende Ohrfeige für AKK, und man konnte hören, wie sich die Kritiker von AKK in der CDU vor Vergnügen auf die Schenkel schlugen. Unterstellte Kelle doch, dass Intellekt, Führungsfähigkeit oder das Verhandlungsgeschick der Frauen keine Rolle spielen. Dabei sind das unabdingbare Voraussetzungen, das zeigt die Karriere von AKK. Hat sie bei der Wahl zum Parteivorsitz 2018 mit Friedrich Merz nicht den Favoriten der konservativen Männer in die Tasche gesteckt? Dass dieses Totschlagargument im 21. Jahrhundert trotzdem noch herhalten muss, um Frauen den Weg an die Spitze der Parteien zu versperren, verrät vielleicht mehr über das Rollenverständnis von Birgit Kelle als über die gesellschaftliche Realität.“

Zumindest das orakeln über mein vermutetes Rollenverständnis kann ich doch sehr einfach beenden, indem ich es beantworte: Ich bin der Meinung dass Frauen fast alles können, aber selbst entscheiden sollten, was sie tun wollen. Und das ist nicht selten etwas völlig anderes, als so manche Feministin in ihrer Selbstbestätigungsblase oder im Morgenkreis des intersektionalen Gender-Feminismus so meint.

Ich möchte entsprechend keine Hilfe durch eine Frauenquote, weil ich sie beleidigend finde und ich auch keine Lust habe, mir anschließend von der Politik anzuhören, man habe jetzt sehr viel für „die Frau“ getan mit dieser Quote, während Millionen von Müttern nach wie vor im Regen stehen gelassen werden, die ihre Kinder noch selbst groß ziehen wollen, ohne danach in die Altersarmut zu rasseln. Ja wir brauchen Frauenpolitik, genaugenommen brachen wir aber Eltern-Politik für jene, die heute noch in Kinder investieren und somit den Generationenvertrag komplett erfüllen, der unsere gesamten sozialen Sicherungssysteme weiter beatmet. Wir brauchen Frauenpolitik, die nach 100 Jahren Feminismus endlich weiblich ist, die aufhört, den Männern hinterherzuhecheln und sich immer noch mit Männern vergleicht, statt endlich weibliche Politik zu machen.

Und ich wiederhole gerne: „Dankbarkeit“ oder „Stolz“ eine „Quotenfrau“ zu sein, wird mir als Satz nur unter Androhung von Folter über die Lippen kommen, denn es ist eine Selbstdegradierung der Frau, auch wenn ich den Charme einer Quote durchaus verstehen kann. Wer bekommt nicht gerne etwas hinterhergeworfen, was andere hart erarbeiten müssen? Ich saß bereits mehrfach in Diskussionerunden im Fernsehen, wo mir die klassischen Vertreter des „alten weißen Mannes“ den Arm tätschelten um mir zu erklären, warum ich die Quote brauche. Und die sich selbst dafür feierten, ob ihrer wahnsinnig fortschrittlichen Denkweise. Noch schlimmer als so manche weibliche Feministin, ist der männlich-selbstgerechte Feminist zu ertragen: „Ich helf dir doch gerne Schätzchen“. Ich möchte niemals in meinen ganzen Leben in einer beruflichen Runde sitzen, wo auch nur ein Mann sich den Gedanken leisten kann, die sitzt hier nur, weil wir ihr eine Quote gegeben haben. Ich möchte im Sinne aller meiner Geschlechtsgenossinnen, dass die Herren dort Angst haben, dass wir besser sein könnten, als sie selbst. Und das auch noch zu Recht.

Der Schweizer Rundfunk hat mich zur CDU-Quoten-Frage interviewt, unter dem Link hier ab Minute 8 anzuhören. Leider ist aus Zeitgründen nicht das gesamte Interview zu hören, das wir geführt haben. Ein entscheidender Punkt, den ich erwähnte, fehlt: Die Frage, was würde eigentlich besser in der CDU-Politik, wenn mehr Frauen dort sitzen? Mit Verlaub, darüber würde ich als Parteimitglied gerne diskutieren und nicht über Geschlechter-Statistiken. Bevor man das innerparteiliche Wahlrecht massiv einschränkt und mir als Parteimitglied vorschreibt, wen ich noch wählen darf, sollte doch zumindest erklärt werden, was für vermeintliche Vorteile und politische Inhalte damit verbunden sind. Ansonsten erschöpft sich die gesamte Quotendebatte doch nur in der Frage: Wer sitzt dort und nicht wozu? Dann reden wir wieder nur über Köpfe, statt über Inhalte.

Ich möchte aber über Inhalte, statt über Geschlecht reden, denn dass mehr Frauen in der CDU mir eine bessere Politik für Frauen bringt, ist doch ein Märchen. Frauen denken nicht alle gleich. Das Frauenkollektiv ist tot, sollte es je existiert haben. „Die Frau“ ist kein gemeinsam atmender Organismus, sondern die Ansammlung von Millionen unterschiedlicher Positionen. Genaugenommen hat eine siebenfache Mutter als Familienministerin dafür gesorgt, dass die CDU keine eigenständige Familienpolitik mehr macht, sondern dass das SPD-Programm eins zu eins übernommen wurde. Ich hatte einmal das Vergnügen, mit der durchaus klugen Vorgängerin von Ursula von der Leyen in einer TV-Runde zu sitzen. Renate Schmidt freute sich dort live in die Kamera, dass von der Leyen all das weiter und zu Ende führe, was sie selbst in ihrer Amtszeit nicht mehr fertig bekommen hat. Mehr Frauen in die CDU? Ja bitte gerne. Aber ich möchte wissen, wo sie politisch stehen, wofür sie kämpfen, welche Inhalte sie vertreten, nicht welches Geschlecht sie empfinden.

Niemand bindet Frauen im CDU-Keller fest, alle können sich einbringen, eintreten und auch für Posten bewerben. Meines Wissen hat aber keine einzige Frau aktuell die Ambition geäußert, den Parteivorsitz nach AKK zu beanspruchen oder gar die nächste Kanzlerschaft. Hindern die Herren Merz, Laschet, Spahn und Söder die Damen etwa?

Spannend wird sowieso noch in Zeiten intersektionaler Gender-Politik die Frage, ob man denn tatsächlich eine Vagina braucht, um einen Frauenquoten-Posten zu erhaschen angesichts der Tatsache, dass die Stimmen lauter werden, Geschlecht als eine Frage der „Selbstdefinition“ zu behandeln. Seit Wochen wird die Harry-Pitter-Autorin J.K. Rowling durchs mediale Dorf geschleift, weil sie Transfrauen nicht als echte Frauen bezeichnet, womit sie ohne Zwiefel Recht hat.

Gilt die Frauenquote auch in der CDU später also nur für Bio-Frauen oder auch für all jene, die einfach gerne eine wären? Das kann auch eine Lösung werden für die Nominierungsparteitage der CDU. Wenn sich später nicht genug Frauen finden, um die 50 Prozent Quote zu erfüllen, könnten der Erwin und der Karl-Heinz einfach spontan ihre geschlechtliche Identität wechseln. Was ist mit non-binären Wesen, die sich gar nicht festlegen wollen, ob sie ihre biologischen Geschlechtsmerkmale ignorieren oder wahrnehmen wollen? Die Gender-Politik in Kombination mit Quoten wird noch ein wahres Fest für Juristen, wenn sich die berühmte „Vielfalt der Geschlechter“ erst einmal zu Wort meldet, um ihren Anteil aus dem Opfer-Quoten-Topf abzuholen.

Nicht zuletzt ist meine Ablehung einer Quote auch der Tatsache geschuldet, dass ich zwei Töchter und auch zwei Söhne habe. Mein Denkschema als Muttertier konzentriert sich nicht nur auf den weiblichen Teil meiner Brut, sondern auf alle meine Kinder. Alle vier haben die selben Chancen verdient und sollen sich beweisen dürfen. Dass es nicht fair ist, wenn meine Söhne für eine imaginäre Erbschuld des weißen Patriarchats jetzt mal ein paar Jahre pausieren sollen in ihren Karriereambitionen, damit genug Frauen nachrücken können, deren Qualifikationsvorsprung im Besitz der richtigen Geschlechtsorgane besteht, halte ich für einleuchtend und Frauenquoten entsprechend für eine systematische Benachteiligung meiner Söhne. Und das würde auch ihre 12-jährige Schwester allen erklären können. Diese Nummer funktioniert schon auf dem Spielplatz nicht, als Partei- oder Regierungspolitik sind Frauenquoten keine feministische Errungenschaft, sondern in Wahrheit ein Offenbarungseid.

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