Geburtenzahlen: Und sie steigen leider doch nicht

Das statistische Bundesamt in Wiesbaden meldet einen Anstieg der Geburtenzahlen. Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 715 000 Kinder lebend geboren. Wie das Statistisches Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen weiter mitteilt, waren das 33.000 Neugeborene oder 4,8 Prozent mehr als im Jahr 2013 (682.000). Die Geburtenrate der Frauen ist damit von 1,42 auf 1,47 gestiegen. Hurra! Es ist nur eine Frage der Zeit, bis unsere Familienministerin vor die Mikrophone treten wird, um zu verkünden, dass dieser Anstieg der großartigen Familienpolitik und dem Ausbau der Kinderbetreuung zu verdanken sei. Ich werde also schon mal vorsorglich ein bisschen Wasser in den Wein gießen, denn es sind die weiteren Zahlen, die mitgeliefert werden, die leider immer noch Grund zu Besorgnis geben.

1. Der Geburtenanstieg derzeit führt selbst das Bundesamt vor allem auf augeschobene Kinderwünsche zurück. Sprich, es sind vor allem ältere Mütter, die gerade ein Kind bekommen, also die Frauen, die früher schon in den 20ern ihr erstes Kind bekommen hätten, heute aber das Durchschnittsalter für Erstgebärende auf 29,5 Jahre nach oben schrauben, weil sie erst deutlich später Kinder bekommen. Sie holen sozusagen das Geburtendefizit der vergangenen Jahre nach.
2. Es ist ja schön, wenn wir damit bei rund 750.000 geborenen Kindern im Jahr 2014 (aktuellste Statistik) sind und der Abwärtstrend damit etwas abgebremst wird, aber insgesamt sinkt die Zahl der jährlich geborenen Kinder kontinuierlich. Noch im Jahr 1990 wurden 905.000 Kinder geboren. Zudem sagt die Statistik voraus, dass der Abwärtstrend anhalten wird, im Jahr 2040 werden nur noch 600.000 Kinder pro Jahr erwartet.
3. Nach 2020 wird die Zahl der Frauen zwischen 26 und 35 Jahren  voraus­sichtlich deutlich schrumpfen, wodurch ein erneutes Geburten­tief entstehen kann, sagt das Bundesamt. Ist ja auch logisch, die Frauen, die heute nicht geboren werden, können morgen nicht Mütter werden. Faktisch heißt das: Selbst wenn unsere derzeitige Geburtenrate PRO FRAU stabil bleibt, schrumpft die Bevölkerung dennoch.
4. Da Frauen immer später Mütter werden, kann man die tatsächliche Geburtenrate pro Frau immer erst zum Ende ihrer Gebärfähigkeit endgültig festlegen. Der jährliche Durchschnitt sagt eigentlich kaum etwas aus. Statistisch wird das mit ihrem 49. Lebensjahr angenommen. Man nennt das die „endgültige durchschnittliche Kinderzahl (siehe Grafik). Der Geburtsjahrgang 1965 hat also im Jahr 2014 seine Gebährfähigkeit abgeschlossen. Diese endgültige Kinderzahl pro Frau ist seit 1990 (und auch schon davor) stetig gesunken. Noch 1990 bekamen Frauen durchschnittlich 1,9 Kinder. Jetzt nur noch 1,47. Trend weiter absteigend. So richtig nach Hurrarufen ist einem da nicht zumute.

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